Die Farbe der Augen

Wie entsteht die Augenfarbe? „Schau mir in die Augen, Kleines“

Manche schmelzen bei dem treuherzigen Blick blauer Augen dahin. Andere können samtbraunen Augen einfach nicht widerstehen - ob grün oder blau, ob grau oder braun: jeder hat so seine spezielle Vorliebe und schon selber erfahren: Augen ziehen einen magisch in den Bann. Genau genommen erliegen wir dabei jedoch nur einer optischen Täuschung.

Es ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal und steht in jedem Pass oder Personalausweis: die Augenfarbe. Ob wir braune oder blau-graue Augen haben, prägt die Erscheinung eines Menschen ganz erheblich. Von der speziellen Tönung des Sehorgans lassen sich Künstler von jeher inspirieren. Dichter beschreiben die Augenfarbe ihrer Figuren oft ausführlich. Und Sänger widmen ganze Lieder einer bestimmten Augenfarbe. In dem Tonstück „Blue eyes“ himmelt Elton John die Augen seiner Liebsten an: “Baby got blue eyes, like a deep blue sea, on a blue day“. Blaue Augen gelten vor allem in Lateinamerika als Schönheitsideal, vermutlich, weil sie dort so selten vorkommen. Aber auch weltweit sind die Helläugigen eindeutig in der Unterzahl: Denn 90 Prozent aller Menschen haben braune Augen. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf die Farben Blau, Grau und Grün.

Helläugige Menschen findet man vor allem in den nordeuropäischen Ländern wie Schweden oder Finnland sehr oft. In Estland kann man übrigens am häufigsten Menschen mit blauen Augen antreffen. Sage und schreibe 99 Prozent aller Esten sind blauäugig. Aber auch in Nordamerika trifft man trotz der vielen Ethnien viele blauäugige Menschen an. Denn die europäischen Vorfahren, die dorthin auswanderten, hatten sehr viele Kinder. Interessanterweise ist übrigens nicht Blau, sondern Grün die seltenste Augenfarbe. Nur schätzungsweise zwei Prozent aller Menschen haben diese geheimnisvoll getönten Augen.

Wie entsteht die Augenfarbe?

Viele Menschen glauben, dass der ein bis drei Millimeter dicke Ring, der die Pupille umschließt, eine bestimmte Farbe hat. Doch ganz so einfach ist es nicht. Genauso wenig wie der blaue Himmel wirklich blau ist, genauso wenig ist die Iris blau- oder grüngefärbt. Aber wie ist es möglich, dass Augen als blau oder grün wahrgenommen werden? In gewisser Weise handelt es sich dabei um eine optische Täuschung oder genauer gesagt, um den so genannten physikalischen Faraday-Tyndall-Effekt.

Die meisten Babys haben blaue Augen

Die Iris, auch Regenbogenhaut genannt, besteht aus zwei Blättern. Auf der Rückseite liegt ein dunkles, bläuliches Pigmentepithel, das durch die dickere vordere Irisschicht, die sogenannte Stroma iridis, schimmert und Licht auffängt. Bei den meisten Neugeborenen ist dieses Bindegewebe mehr oder minder farblos, so dass die dunkelblaue Farbe der hinteren Schicht durch die vordere ungehindert hindurchschimmern kann. Die meisten Babys haben deshalb auch blaue oder blaugraue Augen. Eltern wissen meist erst ein Jahr nach der Geburt, welche Augenfarbe ihr Kind haben wird. Sofern sich in dieser Zeit keine Farbpigmente in der Stroma bilden, bleibt der Sprößling weiterhin blauäugig.

Genau genommen hat er aber keine blauen Augen, sondern seine farblose Stroma kann lediglich sehr gut das kurzwellige blaue Licht absorbieren und streuen. Je weniger Pigmente in der Stroma schwimmen, desto heller strahlen die Augen und desto blauer erscheinen sie dem Betrachter. In den meisten Fällen wandelt sich jedoch das blaue Augenpaar in ein braunes, da sich immer mehr Pigmente in der Stroma einlagern. Diese bestehen aus dem Protein Melanin, das übrigens auch dem Haar und der Haut seine jeweilige Tönung verleiht. Ist die vordere Schicht der Iris nur ein bisschen mehr pigmentiert, wird das Licht schon weniger schnell absorbiert. Die Lichtwellen werden folglich länger. Die Melanin-Moleküle wirken dann wie ein gelber Filter. Trifft das blaue Licht darauf, entstehen grüne Augen. Denn die Farben Blau und Gelb ergeben bekanntlich zusammen die Farbe Grün. Da diese nicht so hell wie blaue Augen strahlen, wirken sie geheimnisvoller. Und zu guter Letzt: Ist die Stroma stark pigmentiert, sind die Augen braun. Je mehr Farbstoff vorhanden ist, desto brauner sind sie. Da das kurzwellige Licht kaum noch Licht reflektiert, sind die Augen auch viel dunkler. Die Menge der Farbpigmente entscheidet also letztlich, welche Augenfarbe ein Mensch hat.

Kann sich die Augenfarbe wandeln?

Tatsächlich kann es geschehen, dass sich die Pigmentierung der Regenbogenhaut im Laufe der Zeit wandelt. Diese Erkenntnis war das mehr oder minder das zufällige Ergebnis der aufwendigen Louisville Zwillingsstudie von 1997 (Archives of Ophthalmology: Bito et al., 1997). Im Rahmen der Studie hatten deren Forscher auch physiognomische Merkmale wie die Augenfarbe notiert. Als man später die Merkmale der Zwillingspaare miteinander verglich, stellten sie fest, dass sich die Augenfarbe bei einigen in einer Zeitspanne von sechs bis neun Jahren um zwei Nuancen verändert hatte. Dabei wurde sie entweder bei einem der Geschwister dunkler oder heller.

Blaue Augen sind eine Folge von Mutation.

Noch vor zehntausend Jahren hatten übrigens alle Menschen braune Augen. Sind helle Augen also eine Laune der Natur? Vermutlich ja. Dänische Forscher fanden heraus, dass es in der Mittelsteinzeit zu einer Mutation der Erbsubstanz gekommen ist. Das Gen, das für die Herstellung des braunen Pigments Melanin zuständig ist, wurde dadurch in seiner Aktivität gebremst. Die Folge: Die Iris dieses Vorfahren enthielt deutlich weniger Farbpigmente.

Da das genetische Merkmal „blaue Iris“ rezessiv vererbt wird und sich Blauäugige immer mehr mit braunäugigen Ethnien mischen, dürfte die Zahl der Blauäugigen in naher Zukunft weiter zurückgehen. Wer auch gern mal blau- oder gar grünäugig sein möchte, der kann ja mit farbigen Kontaktlinsen nachhelfen.