Gähnen ist gut für die Augen

Herzhaftes Gähnen macht müde Augen munter

Die moderne Lebensweise ist für unsere Augen eine echte Herausforderung: Ob lange Computerarbeit, trockene Luft im Büro oder das Starren auf Smartphones - all, diese Verhaltensweisen setzen den Augen zu, machen sie müde und trocken. Doch dagegen hilft ein einfaches Mittel.

Mehr als zehn Millionen Deutsche leiden nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. unter müden und trockenen Augen. Schuld daran ist vor allem die lange Arbeit vor dem Bildschirm. Wer sich in den Räumen oder auch draußen bewegt, lässt automatisch auch mal den Blick in die Ferne schweifen oder betrachtet Menschen und Situationen im mittleren Sehbereich. Dabei schlägt das Augenlid normalerweise etwa 10 bis 15 Mal pro Minute. Mit jedem Wimpernschlag wird die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Hornhaut verteilt. So bleibt die Oberfläche des Auges immer schön feucht, glatt und geschmeidig.

Beim Gähnen fließen Tränen

Wer jedoch ständig auf den Bildschirm des Computers oder des Smartphones starrt, blinzelt bei weitem nicht so häufig. Die Folge: Die Augen werden viel seltener mit Tränenflüssigkeit benetzt. Experten für den Sehsinn empfehlen Bildschirmarbeitern deshalb alle 20 Minuten eine Pause einzulegen und an die frische Luft gehen und mal in die Ferne zu blicken. Falls das nicht möglich ist, weil wichtige Arbeiten zu erledigen sind, hilft gegen müde und trockene Augen aber auch ein anderer, einfacher Trick: Herzhaftes gähnen! So lasse sich vermeiden, dass sich die Augen durch das angespannte Starren auf den Bildschirm röten und brennen, erklärt das Kuratorium für gutes Sehen e.V. (KGS). Da man beim Gähnen lange einatmet, werden die Körperzellen mit neuem Sauerstoff versorgt und die Augen entspannen sich.

Dieser positive Effekt ist jedoch noch einem anderen Phänomen zu verdanken. Beim Gähnen fließen häufig Tränen. Der Grund: Beim Gähnen wird die Gesichtsmuskulatur stark angespannt. Der Mund wird extrem weit geöffnet, und die Augen zusammen gekniffen. Dabei werden die Augenlider so stark gedehnt, dass alle Tränendrüsen auf einmal geleert werden. Diese münden übrigens im inneren und äußeren Augenwinkel. Ein guter Tipp: Wenn die Augen zu tränen beginnen, am besten mehrmals blinzeln. So kann man selber dafür sorgen, dass sich ein gleichmäßiger Tränenfilm über dem Augapfel bildet.

Der Tränenfilm: eine vielschichtige Substanz

Die Forschung in der Augenheilkunde hat mittlerweile viel über den Aufbau des Tränenfilms herausgefunden. Dieser besteht aus drei Schichten, wobei die innerste Schicht, die direkt auf der Hornhaut liegt, hauptsächlich den Schleimstoff Muzin und Glykoproteine enthält. Sie sorgt dafür, dass sich das Tränensekret mit jedem Wimpernschlag gut verteilen lässt. In der Mitte befindet sich eine wässrige Schicht, die eigentliche Tränenflüssigkeit. Die oberste Schicht besteht hauptsächlich aus Fetten. Als glatte Grenzschicht zur Luft schützt sie wirksam die Hornhaut des Auges. Zudem verhindert sie das schnelle Verdunsten der wässrigen mittleren Schicht. Der Tränenfilm verhindert also zum einen das Austrocknen der Augen, zum anderen stellt er eine ideale Schutzbarriere zur Luft (Atmosphäre) dar. Kleine Fremdkörper werden nach und nach einfach wieder herausgespült.

Tränen haben es in sich

Wer glaubt, dass Tränen nur aus Wasser bestehen, irrt übrigens. Sie enthalten viele wertvolle Nährstoffe, außerdem Salze, Glukose, Proteine und sogar Fette, die so genannten Lipide. Die Oberfläche der Augen wird also rundum beständig mit feuchtigkeitsbindenden Substanzen genährt. Zudem enthält die Tränenflüssigkeit keimtötende Enzyme, die den kostbaren Augapfel vor Infektionen durch Bakterien schützen. Reißt der Tränenfilm nur an einer Stelle, wird der Augapfel nicht mehr ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt und ist den Umwelteinflüssen schutzlos ausgesetzt.

Um roten, müden und trockenen Augen vorzubeugen, darf man also ruhig mal öfter kräftig gähnen. Wie gut, dass man nicht darauf warten muss, bis sich dieser kuriose Reflex von selber einstellt. Man kann ihn auch willkürlich (absichtlich) herbeiführen. Am besten probiert man es einfach aus. Gähnen ist nicht nur ein wirksames Mittel, um müden Augen zu begegnen oder vorzubeugen, sondern es kommt obendrein auch der Nacken- und Schultermuskulatur zugute, da diese sich dabei automatisch entspannt. Fazit: Gähnen hat also vollkommen zu Unrecht einen schlechten Ruf.