Sehschwäche bei Kindern

Die Sehkraft der Kinder im Blick behalten

Sehfehler bei Kindern bleiben oft unentdeckt. Das hat Folgen. Ein schlechtes Sehvermögen beeinträchtigt den Bewegungsdrang und damit die körperliche auch die geistige Entwicklung des Kindes. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern regelmäßig, die Sehfähigkeit ihres Kindes testen lassen.

Schon gleich nach der Geburt können Babys sehen, wenngleich auch nur grob und verschwommen. Nur in einem Bereich, der 20 bis 25 Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt ist, sehen sie schon scharf. Der erstaunliche Grund: Sie sind zugleich kurz- und weitsichtig. Schnell verbessert sich jedoch ihre Sehfähigkeit. Mit drei Wochen erkennt ein Baby das Gesicht der Mutter und erwidert ihr Lächeln. Für jede Mutter ein berührender Moment. Und schon bald kann es das Mobile über seinem Bettchen fokussieren. Und wenige Wochen später hebt es bereits das Köpfchen, weil es mehr von der Welt sehen möchte. Mit neun Monaten kann es auch Gegenstände erkennen, die bis zu zweieinhalb Metern von ihm entfernt sind. Und diese neu erworbene Sehfähigkeit leitet einen weiteren entscheidenden Entwicklungsschritt ein: Findet das Baby diesen Gegenstand interessant, möchte es ihn erreichen. Der Bewegungsdrang ist geweckt. Es beginnt zu robben, um an die begehrten Dinge heranzukommen.

Die Entwicklung der Sehfähigkeit ist hochkomplex und muss erlernt werden

Der Sehsinn liefert Kleinkindern somit ganz entscheidende Impulse für deren körperliche und geistige Entwicklung. Wer weiß, dass der Mensch 90 Prozent aller Informationen mit den Augen aufnimmt, kann leicht verstehen, warum Kinder mit Sehschwächen und unkorrigierten Sehproblemen in ihrer Entwicklung benachteiligt sind.

Damit es sich gut entwickelt, muss das Kind sowohl scharf als auch räumlich gut sehen können. Dass der Mensch Objekte in seiner Tiefendimension wahrnehmen und Entfernungen richtig beurteilt, ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Lernprozesses. Erst im Alter von neun bis zehn Jahren ist das räumliche Sehen bei Kindern so weit ausgebildet, dass diese beispielsweise die Geschwindigkeit herannahender Autos richtig abschätzen. „Das räumliche Sehen ist nicht angeboren, es entwickelt sich erst in der frühen Kindheit“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Esser vom Berufsverband der deutschen Augenärzte. Ab der neunten Woche beginnt das Sehzentrum die von beiden Augen gelieferten Informationen zu einem Bild zu verarbeiten. Bis zum siebten Lebensjahr entstehen immer neue Nervenverbindungen für das räumliche Sehen. Wird ein Sehfehler im Kindesalter nicht erkannt und korrigiert, können sich kleine Sehschwächen und unerkannte Sehstörungen, zu irreversiblen Augenproblemen auswachsen. Deshalb sei es so wichtig, dass Faktoren, die diesen Lernprozess behindern können, frühzeitig und wenn nötig, korrigiert werden, so der Augenarzt Dr. Esser.

Ein Kind merkt selbst nicht, dass es schlecht sieht

Ein Baby oder Kleinkind kann selbst nicht merken, dass es schlecht sieht, da ihm schlichtweg der Vergleich fehlt. Für ihn ist es normal, dass es die Welt so sieht, wie es sie sieht. Eltern können die Sehfähigkeit leicht testen, indem sie beispielsweise einen bunten Gegenstand vor den Augen ihres Kindes hin- und herbewegen. Oder sie können einfach beobachten, ob es daneben greift, wenn es einen Gegenstand anfassen möchte. Oder ob es mit der Nase fast am Buch klebt, wenn es sich die Bilder ansieht. Allerdings muss die Sehschwäche schon stärker ausgeprägt sein, damit Eltern eine Sehschwäche des Kindes bemerken.

Sehschwächen bei Babys und Kleinkindern frühzeitig erkennen

Damit Sehfehler nicht unentdeckt bleiben, ist es deshalb in jedem Fall wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder zu nutzen. Im Rahmen der U7 (mit ca. drei Jahren) und der U9 (mit ca. fünf Jahren) untersucht der Kinderarzt nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch die Augen anhand von Sehtafeln. Nicht immer ist es ratsam, so lange zu warten. „Sofern ein familiär bedingtes Risiko für Sehprobleme vorhanden ist, sollte man sein Kind so früh wie möglich, bereits ab dem sechsten Lebensmonat aber spätestens bis zum zweiten Lebensjahr einem Augenarzt vorstellen“, rät Rebekka Locke, PR-Referentin beim Kuratorium für Gutes Sehen e. V. (KGS).

Sehschwäche schnell korrigieren

Die zweifache Mutter empfiehlt einen Augenarzt auszuwählen, der sich auf Kinder spezialisiert hat und in seiner Praxis mit einem Orthoptisten zusammenarbeitet. Dieser geschulte Experte führt mit speziellen Apparaten genaue Messungen durch. „Nur der Fachmann kann Sehprobleme wie latentes Schielen erkennen“, so Rebekka Locke. Um diese Sehfehler erfolgreich zu behandeln, ist es ratsam, mit der Therapie vor dem fünften Lebensjahr zu beginnen. Auch eine weitere, häufig vorkommende Sehschwäche, die Amblyopie, kann nur in den ersten Jahren erfolgreich therapiert werden. Fachleute schätzen, dass von hundert Kindern vier bis sechs an dieser Schwachsichtigkeit leiden. Dabei sehen die betroffenen Kinder nur mit einem Auge scharf. Das gute Auge kompensiert die Sehschwäche des anderen, wodurch es weiter an Sehkraft verliert. Diese Schwachsichtigkeit lässt sich gut behandeln, beispielsweise mit einem Augenpflaster. Auch eine Brille mit zwei unterschiedlichen Gläserstärken kann helfen. Andere Sehfehler wie eine Hornhautverkrümmung oder Kurzsichtigkeit lassen sich meist problemlos mit einer Brille oder auch speziellen Kontaktlinsen für Kinder korrigieren. Bei der Wahl der Brille ist es wichtig, dass nicht nur Korrektionsgläser passen, sondern dem Kind die Brille auch gefällt. Schließlich muss es sich damit wohlfühlen, wenn es sie im Kindergarten oder der Schule trägt.

Optiker sind Partner für gutes Sehen

Schlechte Schulnoten sind meist eine traurige Konsequenz des schlechten Sehvermögens. Da die Schulkinder Buchstaben und Zahlen nicht richtig wahrnehmen, machen sie häufiger als ihre Mitschüler Fehler beim Schreiben, Lesen und Rechnen. Zudem haben sie Konzentrationsprobleme und ermüden schneller. Da sehr viele Kinder im Laufe der Schulzeit kurzsichtig werden, sollten Eltern die Sehfähigkeit ihres Kindes unbedingt testen lassen. Ob Hornhautverkrümmung oder Kurzsichtigkeit, die Sehschwächen lassen sich meist problemlos korrigieren. Augenärzte können die Sehfunktion der Augen genau messen und bewerten. Auf Basis der individuellen Werte nimmt sich der Augenoptiker dann die Zeit, um für Kinder in aller Ruhe die richtigen Korrektionsgläser und das passende Brillengestell zu finden.

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