Refraktion – mehr als ein Sehtest

Fast 80 Prozent der Deutschen lassen ihre Sehvermögen vom Optiker prüfen. Mittels Messbrille oder speziellen, computergestützten Apparaten wie dem Phoropter werden dabei verschiedene optische Linsen mit unterschiedlichen Stärken vor das Auge gehalten. Moderne Technik ist aber nicht alles. Um die Brillenstärken richtig zu bestimmen, muss der Optiker Feingefühl und Fachwissen mitbringen. Nur dann kann er die Bildeindrücke des Kunden richtig interpretieren.

Wer hätte das gedacht! Zwei Drittel aller Erwachsenen, also mehr als 40 Millionen Deutsche, tragen bereits eine Brille. Mehr als jeder Dritte hat sie ständig auf der Nase, die anderen gelegentlich. Das ergab bereits 2014 die Brillenstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Kuratoriums „Gutes Sehen“. Die Tendenz ist steigend. Der Grund: Zum einen steigt mit der alternden Gesellschaft auch die Zahl der Brillenträger, zum anderen nimmt die Zahl der Kurzsichtigen, vor allem bei den jungen Erwachsenen zu. Ob beim Autofahren, Lesen, beim Sport oder im Haushalt – gutes, entspanntes Sehen ist überall wichtig und sorgt für mehr Lebenskomfort. Deshalb rät der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen, das Sehvermögen regelmäßig, möglichst jedes Jahr, beim Augenoptiker oder Augenarzt überprüfen zu lassen. Wer bereits eine Brille trägt, sollte seine Sehstärke spätestens alle zwei Jahre beim Apollo-Augenoptiker messen und überprüfen lassen. 75 bis 80 Prozent aller Deutschen suchen dafür den Augenoptiker auf, erklärt Lars Wandke, Pressesprecher vom Zentralverband Deutscher Augenoptiker nicht ohne Stolz. Als Sehexperte sei ein Augenoptiker dafür nicht nur optimal ausgebildet und ausgestattet, sondern meist noch zusätzlich geschult.

Was ist eine Refraktion?

Das Verfahren der Brillenglasbestimmung wird in der Augenheilkunde Refraktion genannt. In dem Begriff steckt das lateinische Wort „frangere“, was übersetzt „brechen“ bedeutet. Genau genommen wird also bei einer Refraktion die Brechkraft der Linse gemessen und der Korrekturwert ermittelt, damit das Auge Bilder wieder scharf und klar erkennen kann. Mithilfe modernster, teils computergestützter oder voll automatischer Messmethoden und –geräte kann ein Augenoptiker den Brech- und Korrektionswert der Gläser exakt bestimmen.

Wie wird die Brechkraft gemessen?

Die Brechkraft des Auges wird bekanntlich in Dioptrien gemessen. Wenn der Refraktionswert 0 beträgt, ist jemand normalsichtig und kann alles gut sehen. Bei einer Fehlsichtigkeit weicht die Zahl vom Normalwert ab. Ist die Dioptrienzahl höher, handelt es sich um Weit- oder Alterssichtigkeit. Sie wird mit einem Plus (+) angegeben. Bei Kurzsichtigkeit liegt die Dioptrienzahl unter dem Normalwert und wird in Minus (-) angegeben. Diese Fehlsichtigkeiten sind meist angeboren und haben meist eine einfache physiognomische Ursache. Der Augapfel und somit auch seine Achsenlänge sind beim Weitsichtigen zu kurz und beim Kurzsichtigen zu lang. Da das einfallende Licht deshalb nicht exakt auf dem Brennpunkt der Netzhaut gebündelt werden kann, entsteht ein mehr oder minder unscharfes Bild. Und daran kann man so wenig wie an seiner Körpergröße ändern. Man kann die Sehschwäche aber zum Glück mit einer Sehhilfe korrigieren. Auch die Hornhautverkrümmung, von Sehexperten Stabsichtigkeit genannt, hat einen einfachen Grund. Die Hornhaut, die sich normalerweise gleichmäßig wölbt, ist in diesem Fall verkrümmt und kann deshalb die aus allen Richtungen eintreffenden Lichtstrahlen nicht auf der Netzhaut zu einem Punkt bündeln. So entstehen quasi zwei oder mehrere, sich überlagernde und überschneidende Bildeindrücke. Auch den Korrektionswert bei einer Hornhautverkrümmung kann der Optiker mithilfe verschiedener Messmethoden heutzutage problemlos bestimmen.

Die objektive Refraktion liefert grobe Angaben.

Meist führt der Apollo-Optiker zuerst eine objektive Refraktion mit dem Autorefraktometer durch. Der Kunde muss dabei keinerlei Angaben machen, sondern schaut nur auf eine weit entfernte Landschaft. Mithilfe von Infrarotstrahlen wird seine Sehstärke in Sekundenschnelle automatisch gemessen. Das Problem: Bei einer objektiven Messung mit einem Refraktometer sind die Ergebnisse häufig verfälscht. Denn das menschliche Auge hat wie eine Kamera die Fähigkeit, das Bild immer wieder scharf zu stellen. Bis zum Alter von 45 Jahren kann es recht locker von Fernsicht auf Nahsicht umschalten. Das Auge funktioniert also nicht wie ein Lupenglas, sondern ist elastisch und kann sich somit verformen. Mithilfe der Zonulafasern und Ziliarmuskeln wird die Linse gestaucht oder in die Länge gezogen, so dass sie mal runder und mal flacher ist. Das Licht wird dadurch immer so gebündelt, dass auf dem kleinsten Punkt der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Diese Fähigkeit wird in der Optik und Optometrie als Akkomodation bezeichnet. Als Vormessung kann die objektive Refraktion dennoch nützliche Angaben liefern. Hat der Kunde beispielsweise bereits zuvor eine Brille getragen, erhält der Optiker blitzschnell eine Auskunft darüber, ob sich sein Sehvermögen verändert oder verschlechtert hat. Auf dieser Basis kann er entscheiden, ob eine weitere ausführliche Augenglasbestimmung erfolgen muss.

Bei einer Refraktion muss das Auge voll entspannt sein

Tatsächlich ist es aufgrund der Akkomodationsfähigkeit des Auges gar nicht so einfach, die Stärke der Brillengläser richtig zu bestimmen. Richtige Ergebnisse erhält man nur, wenn die Augen in einem entspannten Zustand sind. Optiker und Forscher fanden vor langer Zeit heraus, dass das menschliche Auge erst ab einer Entfernung von sechs Metern ohne jegliche Anstrengung sehen kann. Nur wenn in diesem voll entspannten Zustand – also ohne Akkomodation – beim Blick in die Ferne ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht, kann die Sehkraft gemessen werden.

Die subjektive Refraktion ist ein feiner Abstimmungsprozess.

Für die weitere subjektive Bestimmung der Sehfähigkeit, muss der Kunde etwas mehr Zeit mitbringen. Da sie zwischen 15 bis 30 Minuten dauert, ist es ratsam, dafür beim Apollo-Optiker einen Termin zu vereinbaren. Damit die Augen voll entspannt sind, befinden sich bei dieser subjektiven Augenglasmessung die Lesetafeln immer mindestens sechs Meter vom Geprüften entfernt. Nun muss dieser versuchen, darauf Zahlen und Buchstaben zu lesen und zu entziffern. Je nachdem wie gut oder weniger gut das geht, findet der Optiker heraus, welche Glasstärken der Kunde benötigt. Damit der Kunde mit der Brille auch zufrieden ist, ist es wichtig, dass er dem Optiker ständig ein Feedback gibt, wenn dieser die Augengläser in schneller Abfolge auswechselt und ihn fragt „Ist es so gut? Oder so besser? Oder ist es so gleich gut? Oder ist es so schlechter?“ Nur in einem gelungenen Abstimmungsprozess und dauernden Dialog kann der Optiker gemeinsam mit dem Kunden herausfinden, welche Korrektionswerte dieser rein subjektiv als angenehm empfindet. Auch wenn es manchen erstaunen mag, tatsächlich wird von vielen die Wiederherstellung der vollen Sehschärfe oftmals nicht als ideal oder optimal empfunden.