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Sehtest für Kinder

Sehfehler bei Kindern werden oft spät erkannt. Das hat Folgen: Ein schlechtes Sehvermögen beeinträchtigt die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern regelmäßig die Sehfähigkeit ihres Nachwuchses testen lassen.

Sehtest für Kinder

Das Sehen von Kindern entwickelt sich erst

Babys können direkt nach der Geburt sehen – allerdings verschwommen. Nur in einer Entfernung von 20 bis 25 Zentimetern sehen sie schon scharf. Ihre Sehfähigkeit verbessert sich aber schnell. Nach und nach erkennen sie Kontraste, Bewegungen und Farben. Mit etwa neun Monaten sehen sie Objekte scharf, die bis zu zweieinhalb Meter entfernt sind. Das leitet einen wichtigen Entwicklungsschritt ein: Ist ein entfernter Gegenstand für das Baby interessant, beginnt es, dorthin zu robben. Der Bewegungsdrang ist geweckt.

Der Sehsinn liefert Kleinkindern also entscheidende Impulse für deren körperliche und geistige Entwicklung. Damit sich ein Kind gut entwickelt, muss es scharf und räumlich gut sehen können. Das ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Erst im Alter von acht bis neun Jahren ist das räumliche Sehen bei Kindern so weit ausgebildet, dass sie zum Beispiel die Geschwindigkeit herannahender Autos richtig einschätzen können.

Wird ein Sehfehler im Kindesalter nicht erkannt und korrigiert, können kleine Sehschwächen zu langfristigen Augenproblemen führen. Daher ist es so wichtig, Kinderaugen regelmäßig zu überprüfen

Wann sollten Kinder zum Sehtest?

Etwa jedes zehnte Kind in Deutschland sieht schlecht. Das Problem: Ein Kind merkt selbst nicht, dass es schlecht sieht. Ihm fehlt schlichtweg der Vergleich, wie die Welt „richtig“ aussehen müsste. Deshalb bleiben etwa zwei Drittel der Sehfehler bei Kindern lange unentdeckt. Eltern sollten daher die U-Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder unbedingt nutzen. Im Rahmen der U7 (mit ca. zwei Jahren) und der U9 (mit ca. fünf Jahren) prüft der Kinderarzt nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch die Augen mithilfe von Sehtafeln. Experten empfehlen zudem, die Augen von Kindern spätestens bis zum dritten Lebensjahr von einem Augenarzt prüfen zu lassen. Sind in der Familie Sehprobleme oder starke Fehlsichtigkeiten bekannt, bereits ab dem sechsten Lebensmonat bis spätestens zum zweiten Lebensjahr.

Nachfolgend erklären wir, worauf es in den verschiedenen Altersstufen ankommt und wie sich Sehprobleme bei Kindern bemerkbar machen können:

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Babys und Kleinkinder bis 3 Jahre

Bis zum Alter von drei Jahren können Kinder noch kaum mitteilen, was und wie sie sehen. Während der U-Untersuchungen prüft der Kinderarzt daher ihre Augen und ihr Sehvermögen auf Auffälligkeiten. Doch auch, wenn er nichts entdeckt: Jedes Kleinkind sollte bis zum dritten Lebensjahr einen Sehtest beim Augenarzt machen. Nur so können zum Beispiel latentes Schielen, Linsentrübungen oder Ungleichsichtigkeit frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Anzeichen für Sehprobleme bei Babys und Kleinkindern können sein:

• getrübte Hornhaut

• keine Reaktion auf Licht, Lichtscheue

• Schielen, Augenzittern

• ständiges Reiben der Augen mit den Fingern

• Vorbeigreifen an Gegenständen

• Gleichgewichtsstörungen, Tollpatschigkeit

• falsches Einschätzen von Stufen und Übergängen beim Gehen, daher häufiges Stolpern und Stürzen

• ständige Schiefhaltung des Kopfes

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Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren

Bevor Kinder in die Schule kommen, werden ihre Augen bei der obligatorischen Schuleingangsuntersuchung (S1) getestet. Mehr Sicherheit bringt ein Kindersehtest beim Augenarzt. Er prüft die Entwicklung der Kinderaugen genau. Besonders wichtig ist der regelmäßige Sehtest, wenn die Eltern selbst Sehprobleme wie starke Kurzsichtigkeit oder Schielen haben.

Anzeichen für Sehprobleme bei Kleinkindern bis sechs Jahre können beispielsweise sein:

• Konzentrationsprobleme

• Kopfschmerzen

• häufiges Augenreiben, Blinzeln und Stirnrunzeln

• Stolpern und Ungeschicklichkeit

• Balanceschwierigkeiten

• schnelles Ermüden beim Malen und Basteln

• Schwierigkeiten beim Ballfangen

• Lichtempfindlichkeit

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Kinder im Alter von 7 bis 18 Jahren

In der Schule macht sich ein schlechtes Sehvermögen oft durch schlechte Noten bemerkbar. Da die Kinder Buchstaben und Zahlen nicht richtig wahrnehmen, machen sie häufiger als ihre Mitschüler Fehler beim Schreiben, Lesen und Rechnen. Da sich auch Kurzsichtigkeit meist im Laufe der Schulzeit entwickelt, sollten Kinder ab Schulstart regelmäßig zum Sehtest gehen. Bis zum Alter von 14 Jahren mindestens einmal jährlich beim Augenarzt. Ab 14 Jahren kann auch ein Augenoptiker den Kindersehtest durchführen, sofern eine verminderte Sehschärfe nicht auf das Augenwachstum oder eine chronische Erkrankung zurückzuführen ist.

Anzeichen für Sehprobleme bei Schulkindern können sein:

• Schrift auf der Schultafel ist schlecht erkennbar

• auffälliges Schriftbild (verrutschte Buchstaben innerhalb der Zeile, unterschiedliche Wortabstände)

• Verwechseln ähnlicher Buchstaben (b und d, p und q, m und n)

• fehlerhaftes, langsames Lesen

• Kopf sehr nah am Blatt oder Display

• beim Ausschneiden oder Ausmalen werden Randlinien nicht eingehalten

• Kopfschmerzen nach der Schule

• Konzentrationsprobleme, schnelle Ermüdung

Sehtest für Kinder

Wer führt den Kindersehtest durch?

Bei Kindern bis 14 Jahre sollte der Sehtest stets beim Augenarzt erfolgen. Es ist empfehlenswert, einen Augenarzt auszuwählen, der sich auf Kinder spezialisiert hat und in seiner Praxis mit einem Orthoptisten zusammenarbeitet. Dieser geschulte Experte führt mit speziellen Apparaten genaue Messungen durch. Der Fachmann kann so bestmöglich Sehprobleme wie beispielsweise latentes Schielen erkennen und eine Sehhilfe verschreiben. Beim Augenoptiker kann ein Kindersehtest erst ab 14 Jahren durchgeführt werden.

Kindersehtest: Inhalte und Ablauf

Kinderaugen lassen sich nicht auf dieselbe Weise untersuchen wie die von Erwachsenen. Da kleine Kinder ihre Seheindrücke noch nicht so gut artikulieren können, werden Sehtests für sie spielerischer gestaltet oder funktionieren ganz ohne ihre aktive Mitarbeit. Unter anderem werden diese wichtigen Punkte beim Sehtest überprüft:

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Sehschärfe

Eine erste Sehschärfenmessung kann oft mit dem Autorefraktometer erfolgen. Es misst über Infrarotstrahlen den Brechwert der Augen. Dieser Wert ist objektiv – das Kind muss also nichts machen, es schaut nur in das Gerät. Die objektiv gemessenen Werte werden mit visuellen Tests präzisiert. Auf Sehtafeln werden dem Kind statt Buchstaben altersgerechte Symbole wie Kreis, Haus, Apfel oder auch Ringe gezeigt. Durch das Zeigen der Symbole oder die subjektiven Aussagen des Kindes werden die optimalen Sehwerte bestimmt. Zum Einsatz kann außerdem die sogenannte Schattenprobe (Skiaskopie) kommen. Der Arzt verabreicht dafür Tropfen, welche die Pupille erweitern. Er durchleuchtet dann die Pupille und prüft, wie das Licht von der Netzhaut zurückgeworfen wird.

Schielen und Schwachsichtigkeit

Eine Fehlstellung der Augen wird mit einem Durchleuchtungstest ermittelt. Der Kinder- oder Augenarzt durchleuchtet dafür beide Augen mit einem sogenannten Ophthalmoskop. Dessen Licht fällt auf den Augenhintergrund und wird reflektiert. Ist die Reflektion beider Augen unterschiedlich, kann dies ein Hinweis auf Sehprobleme wie zum Beispiel Schielen und Schwachsichtigkeit sein. Ein weiteres Testverfahren ist der Abdecktest, bei dem die Augen abwechselnd zugedeckt werden. Der Arzt prüft, ob sie sich beim Aufdecken wieder korrekt einstellen.

Räumliches Sehen

Um das räumliche Sehen von Kindern zu prüfen, nutzen Ärzte meist eine postkartengroße Testtafel. Auf dieser bilden viele schwarze Punkte dreidimensionale Objekte, zum Beispiel einen Stern, ein Auto oder einen Elefanten. Die Kinder sollen diese Figuren aus etwa 40 Zentimeter Entfernung erkennen und benennen oder darauf zeigen. Auch anhand ihrer Augenbewegungen kann der Profi sehen, ob sie die 3D-Bilder erkennen oder nicht.

Farbsehen

Der typische Farbsehtest für Erwachsene wird mit Farbtafeln durchgeführt, auf denen Kreise in unterschiedlichen Farbnuancen und Größen angeordnet sind. Menschen mit normalem Farbensehen erkennen darauf Zahlen. Bei älteren Kindern kommen diese Sehtafeln für den Farbsehtest ebenfalls zum Einsatz. Für kleinere Kinder nutzt der Augenarzt eine kindgerechte Variante mit Linien statt Zahlen, die die kleinen Probanden nachzeichnen sollen. So lässt sich gut erkennen, ob zum Beispiel eine Rot-Grün-Farbsehschwäche vorliegt.

Häufige Fehlsichtigkeiten bei Kindern

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Kurzsichtigkeit

Bei einer Kurzsichtigkeit (Myopie) ist das Auge zu lang oder bricht das Licht zu stark. Dadurch erscheinen Objekte in der Ferne unscharf. Eine Myopie kann durch Vererbung und ungünstiges Verhalten, wie häufiges nahes Lesen am Buch oder Smartphone, entstehen. Meist entwickelt sie sich ab dem zehnten Lebensjahr und wird dann auch Schulmyopie genannt.

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Weitsichtigkeit

Ist das Auge hingegen zu kurz oder bricht das Licht zu schwach, liegt eine Weitsichtigkeit oder Übersichtigkeit (Hyperopie) vor. Objekte in der Nähe werden für das Kind unscharf. Eine Weitsichtigkeit ist angeboren und kann sich in vielen Fällen durch das Wachstum des Augapfels bis zum Erwachsenenalter verbessern.

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Ungleichsichtigkeit

Bei der Ungleichsichtigkeit (Anisometropie) sind beide Augen unterschiedlich fehlsichtig. Das rechte Auge hat also eine andere Fehlsichtigkeit als das linke. Das Kind bekommt zum Beispiel ein scharfes und ein unscharfes Bild, die nicht zusammengeführt werden können. Bleibt die Ungleichsichtigkeit unerkannt, kann sich kein ausreichendes gemeinsames Sehen beider Augen (Binokularsehen) entwickeln.

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Hornhautverkrümmung

Normalerweise ist die Hornhaut des Auges gleichmäßig gewölbt. Bei einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) ist sie jedoch gekrümmt. Das Licht wird nicht korrekt gebrochen. Die Folge: eine verzerrte Wahrnehmung in der Nähe und der Ferne.

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Schielen

Man unterscheidet zwei Arten des Schielens: Beim sogenannten Strabismus schauen die Augen nicht in die gleiche Richtung, das Schielen ist deutlich sichtbar. Das latente Schielen (Heterophorie) hingegen ist nur zeitweise sichtbar, zum Beispiel wenn das Kind müde ist oder ein Auge abgedeckt wird. Ursachen können Probleme mit den Augenmuskeln, starke Weitsichtigkeit der Augen oder Brechkraftunterschiede sein.

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Schwachsichtigkeit

Kinder mit Schwachsichtigkeit (Amblyopie) sehen nur mit einem Auge scharf. Das gute Auge kompensiert die Sehschwäche des anderen, wodurch es weiter an Sehkraft verliert. Bleibt diese Sehschwäche unentdeckt, kann eine lebenslange Sehbehinderung entstehen. Schwachsichtigkeit lässt sich gut behandeln, beispielsweise mit einem Augenpflaster oder einer Brille mit zwei unterschiedlichen Glasstärken. Die Fehlsichtigkeit sollte in den ersten Lebensjahren therapiert werden, bevor die Entwicklung des Auges abgeschlossen ist.

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Sehschwächen korrigieren – ein Kinderspiel!

Ob Hornhautverkrümmung, Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit: Diese Sehschwächen lassen sich meist problemlos mit einer Brille oder Kontaktlinsen für Kinder ausgleichen. Augenärzte können die Sehfunktion der Augen genau messen und bewerten. Auf Basis der individuellen Werte nimmt sich der Augenoptiker dann Zeit, um für das Kind die richtigen Korrektionsgläser und das passende Brillengestell zu finden. Apollo bietet für die kleinen Kunden sogar eigens Kindergläser an. Wichtig bei der Wahl der Brille: Sie sollte nicht nur Mama oder Papa gefallen, sondern vor allem dem Kind. Schließlich muss es sich damit wohlfühlen, wenn es sie im Kindergarten oder in der Schule trägt.

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Tipps für Eltern

Eltern sollten stets aufmerksam für das Verhalten des Nachwuchses bleiben. Hat das Kind einen unsicheren Gang? Ist es lichtempfindlich? Meidet ihr Kind Basteln, Ausmalen und andere Naharbeiten? Neigt es nach längerem Lesen zu Kopfschmerzen? All das können Anzeichen für Sehprobleme sein. Eltern können die Sehfähigkeit auch spielerisch testen: Bewegen Sie zum Beispiel einen bunten Gegenstand vor den Augen Ihres Kleinkindes hin- und her. Beobachten Sie, ob sein Blick folgt und ob es danebengreift, wenn es den Gegenstand greifen möchte. Bei Anzeichen sollten Eltern umgehend handeln und einen Sehtest durchführen lassen. Regelmäßige Checks bei Fachleuten helfen, Sehschwächen bei Babys und Kindern frühzeitig zu erkennen. Ideal sind Orthoptisten bei Augenärzten und in Sehschulen sowie Kinderoptometristen, also speziell für das kindliche Sehen geschulte Augenoptikermeister und Optometristen. In der Praxensuche des Berufsverbands Orthoptik Deutschland e.V. finden Sie Spezialisten in Ihrer Nähe für weitere Informationen.

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